2008

Großübung Heißausbildung 1/2008

Die Angst vor dem Feuer verlieren - aber nicht den Respekt
Meerbusch, 16./17. Februar 2008
Die Zahl der Brandeinsätze in Meerbusch und ganz Deutschland ist in den letzten Jahren rückläufig. Dies liegt zum einen an der guten Brandschutzerziehung, die schon in den Kindergärten anfängt, und zum anderen auch am gestiegenen Sicherheitsempfinden der Menschen. Was auf der einen Seite sehr gut ist, bürgt auf der anderen Seite die Gefahr, dass immer weniger Freiwillige Feuerwehrleute die Möglichkeit haben, wichtige Einsatzerfahrungen zu sammeln. Gerade der Einsatz unter Atemschutz, in einem heißen und brennenden Raum, mit dem Auftrag, Menschenleben zu retten, erzeugt bei Feuerwehrleuten sowohl großen körperlichen und psychischen Stress, als auch höchste Anspannung. Situationen, die ohne realitätsnahe Übung und Erfahrung schnell zur Gefahr für die eigentlichen Retter werden können. Aus diesem Grund stellen mobile Übungsanlagen für Brandsimulationen eine effektive Ergänzung zum bestehenden Übungsprogramm dar.

Für die Atemschutzgeräteträger der Freiwilligen Feuerwehr Meerbusch wurde es an diesem Wochenende trotz kaltem Wetters sehr heiß und anstrengend. Zum ersten Mal fand in Meerbusch eine Großübung unter einsatzrealistischen Bedingungen statt. Eigens zu diesem Anlass wurde für zwei Tage auf der Feuerwache in Osterath ein Brandcontainer aufgebaut, in dem die Einsatzkräfte beim Durchlaufen mehrerer Einsatzszenarien, Erfahrungen bei der Brandbekämpfung, dem richtigen Verhalten in brandgefährlichen Situationen und der eigenen Stressresidenz sammeln konnten. Trotz Temperaturen von 200°C in Bodennähe und gut 800°C im Deckenbereich galt es für die Feuerwehrleute, ihre Einsatzaufträge hoch konzentriert abzuarbeiten. Darunter befanden sich beispielsweise der Brand eines Hochbettes in einem Zimmer, ein Motorbrand im PKW mit Öffnen der Motorhaube und das Verhindern eines gefürchteten Flash-Over.

Bevor die Feuerwehrfrauen und -männer den Brandcontainer betreten konnten, wurde ihr derzeitiger Gesundheitszustand von einem Rettungsassistenten überprüft. Nach einer intensiven Einweisung durch einen Ausbilder, konnten so mehr als 100 Atemschutzgeräteträger, jeweils eingeteilt in Dreiertrupps mit Trainer, alle Übungsszenarien des Brandcontainers durchlaufen. Nach rund 20 Minuten kam jeder Trupp schweißgebadet und mit neugewonnener, womöglich lebenswichtiger Einsatzerfahrung aus der Übungsanlage heraus.

Für viele Teilnehmer war dies nach mehreren hundert Stunden Ausbildung der erste Kontakt zu echtem Feuer und derart hohen Temperaturen. Aber auch erfahrende Feuerwehrleute sprachen im Anschluss an die Übung davon, dass dies eine wertvolle Erfahrung für sie gewesen sei - zum einen durch die extreme körperliche Belastung, zum anderen durch die Umsetzung der theoretischen Löschtechniken und -taktiken.

Um einen reibungslosen und gesicherten Ablauf zu gewährleisten, sorgten rund 40 Helfer an beiden Tagen für eine optimale Betreuung der Übungsteilnehmer. So stand neben der Versorgung mit ausreichend Getränken und der intensiven Materialpflege der Atemschutzgeräte und -masken, auch ein Rettungswagen der Johanniter-Unfall-Hilfe bereit. Alle Teilnehmer waren körperlich jedoch so gut vorbereitet, dass es trotz der hohen Belastungen zu keinem Zwischenfall kam.

Auf die Einladung der Wehrleitung der Feuerwehr Meerbusch folgten auch zahlreiche Vertreter aus Rat und Verwaltung. Nach einer kurzen theoretischen Einführung in die Thematik der Atemschutzausbildung, konnten sich alle Gäste ein Bild von der Praxis machen und den Übungsablauf bei strahlendem Sonnenschein aus nächster Nähe beobachten. Einige der Politiker, allen voran Bürgermeister Dieter Spindler und Landrat Dieter Patt, nahmen die Gelegenheit wahr und wagten selber einen Blick in den Brandcontainer. Wenn auch beeindruckt von der Wärme, so kamen sie jedoch alle wieder unversehrt von ihrer kleinen Stippvisite aus der Übungsanlage heraus.

Die Wehrleitung der Feuerwehr Meerbusch ist nach diesem erfolgreichen Wochenende überzeugt, dass wieder einmal ein großer Schritt in der Ausbildung der Einsatzkräfte getan wurde und hofft, einen Brandcontainer dieser Art zukünftig öfter zur Ausbildung und damit zur Sicherheit aller Einsatzkräfte einsetzen zu können.